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Sollten Geschäftsführergehalt und Eigentümereinkommen in einer Partnerschaft getrennt werden?

Eine der sensibelsten Fragen in einer geschäftlichen Partnerschaft ist der Unterschied zwischen dem Einkommen eines aktiv mitarbeitenden Partners und dem Einkommen eines Partners, der hauptsächlich Eigentümer, Investor oder Gesellschafter ist.

Von außen betrachtet wirkt dieses Thema oft einfach. Wenn das Unternehmen Gewinn macht, erhalten die Partner ihren Anteil entsprechend ihrer Beteiligung. In der Praxis ist die Situation jedoch häufig deutlich komplexer. Ein Partner kann das Unternehmen täglich führen, Mitarbeiter anleiten, Kunden betreuen, mit Lieferanten sprechen, Probleme lösen, Verkäufe nachverfolgen und operative Verantwortung tragen. Ein anderer Partner ist vielleicht weniger aktiv, hat hauptsächlich Kapital eingebracht oder bleibt eher aus der Distanz beteiligt.

In einer solchen Situation gibt es eigentlich zwei verschiedene Einkommensarten: Gehalt für die Geschäftsführungsarbeit und Einkommen aus Eigentum.

Wenn diese beiden Einkommensarten vermischt werden, entsteht schnell Unklarheit. Der aktive Partner kann das Gefühl bekommen, dass seine Arbeit nicht fair vergütet wird. Der weniger aktive Partner kann dagegen vermuten, dass zu viel Geld aus dem Unternehmen entnommen wird. So wird aus einer finanziellen Frage langsam ein Thema von Vertrauen, Gerechtigkeit, Anerkennung und Macht innerhalb des Unternehmens.

Deshalb sollten Geschäftsführergehalt und Eigentümereinkommen in einer professionellen Partnerschaft klar voneinander getrennt werden.

Was ist ein Geschäftsführergehalt?

Ein Geschäftsführergehalt ist die Vergütung für die Arbeit, die ein Partner aktiv im Unternehmen leistet.

Wenn ein Partner als Geschäftsführer, Betriebsleiter, Vertriebsleiter, operativer Leiter oder Finanzverantwortlicher arbeitet, ist das nicht nur „normaler Einsatz als Partner“. Es ist konkrete Arbeit mit Verantwortung, Zeitdruck und Ergebniserwartung.

Wenn das Unternehmen für dieselbe Funktion eine externe Führungskraft einstellen müsste, müsste es dafür ebenfalls ein Gehalt zahlen. Deshalb sollte auch die Arbeit eines aktiven Partners sichtbar und messbar gemacht werden.

Die zentrale Frage lautet:

Was müsste das Unternehmen bezahlen, wenn diese Person kein Partner wäre, sondern dieselbe Aufgabe als professionelle Führungskraft ausführen würde?

Diese Frage hilft, das Thema gerechter und unternehmerischer zu betrachten.

Was ist Eigentümereinkommen?

Eigentümereinkommen ist das Einkommen, das aus dem Eigentumsrecht am Unternehmen entsteht. Das kann Gewinnbeteiligung, Dividende, Gesellschaftereinkommen oder Partnerschaftseinkommen sein.

Dieses Einkommen basiert nicht auf täglicher Arbeit. Es basiert auf Eigentum, Risiko, Kapitaleinsatz und Beteiligung am Unternehmen.

Ein Partner kann Geld investiert haben. Er kann am Anfang Risiko getragen haben. Er kann beim Aufbau des Unternehmens mitgewirkt haben. Deshalb ist es logisch, dass dieser Partner Anspruch auf einen Anteil am Gewinn hat, wenn das Unternehmen profitabel ist.

Aber Eigentümereinkommen und Vergütung für Arbeit sind nicht dasselbe.

Wenn ein Partner sechzig Stunden pro Woche arbeitet und ein anderer Partner nur gelegentlich an Besprechungen teilnimmt, können langfristig Probleme entstehen, wenn beide Rollen nur nach Beteiligungsquote bewertet werden.

Warum sollten diese Einkommen getrennt werden?

Wenn Geschäftsführergehalt und Eigentümereinkommen nicht getrennt werden, entstehen drei große Risiken.

Erstens kann der aktive Partner erschöpft und frustriert werden. Er trägt die tägliche Arbeit, löst Probleme und hält das Unternehmen am Laufen, aber sein zusätzlicher Einsatz wird nicht separat vergütet.

Zweitens kann der weniger aktive Partner Misstrauen entwickeln. Wenn der aktive Partner Geld aus dem Unternehmen entnimmt, aber nicht klar ist, ob es sich um Gehalt, Vorschuss, Gewinnbeteiligung oder private Entnahme handelt, entstehen Zweifel.

Drittens wird die tatsächliche Rentabilität des Unternehmens unklar. Es kann so aussehen, als sei das Unternehmen profitabel, obwohl es in Wirklichkeit nur durch die unbezahlte Arbeit des aktiven Eigentümers funktioniert.

Ein gesundes Unternehmen muss folgende Frage beantworten können:

Macht dieses Unternehmen auch dann noch Gewinn, wenn die Arbeit des Eigentümers als echter Kostenfaktor berücksichtigt wird?

Wenn die Antwort nein lautet, ist der Gewinn schwächer, als er auf dem Papier erscheint.

Die Balance zwischen aktiven und passiven Partnern

Nicht jeder Partner muss auf dieselbe Weise beitragen. Ein Partner kann Kapital einbringen. Ein anderer kann Kunden bringen. Ein dritter kann den täglichen Betrieb leiten. Ein vierter kann Strategie, Netzwerk oder Fachwissen beitragen.

Das ist an sich kein Problem. Starke Partnerschaften bestehen oft gerade aus unterschiedlichen Beiträgen.

Aber diese Beiträge müssen klar definiert werden.

Die Rolle des aktiven Partners sollte schriftlich festgehalten werden. Welche Aufgaben übernimmt er? Wie viel Zeit investiert er in das Unternehmen? Welche Entscheidungen trifft er? Für welche Ergebnisse ist er verantwortlich?

Auch die Rolle des weniger aktiven Partners muss klar sein. Ist er nur Investor? Ist er strategischer Berater? Bringt er Kunden? Oder erhält er Einkommen ausschließlich aufgrund seiner Eigentumsbeteiligung?

Ohne diese Klarheit wird die Partnerschaft durch Annahmen gesteuert. Und Annahmen werden in vielen Unternehmen irgendwann zu Konflikten.

Wie wird ein gesundes System aufgebaut?

In einer gesunden Partnerschaft werden zuerst die Rollen getrennt.

Eine Person kann gleichzeitig Partner und Geschäftsführer sein. Aber diese beiden Rollen müssen getrennt bewertet werden.

Die Partnerrolle bedeutet:

„Ich besitze einen Teil des Unternehmens, trage Risiko und habe Anspruch auf Wertsteigerung und Gewinnbeteiligung.“

Die Geschäftsführerrolle bedeutet:

„Ich arbeite aktiv im Unternehmen, trage tägliche Verantwortung und erhalte dafür ein Gehalt.“

Wenn diese Rollen getrennt werden, entsteht mehr Klarheit. Dann wird sichtbar, welches Geld für Arbeit gezahlt wird und welches Geld als Eigentümereinkommen ausgeschüttet wird.

Zuerst muss die Führungsfunktion definiert werden. Danach muss der Marktwert dieser Funktion bestimmt werden. Wenn der aktive Partner diese Funktion ausübt, sollte er ein angemessenes und tragfähiges Geschäftsführergehalt erhalten.

Erst danach sollte das Unternehmen den tatsächlichen Gewinn und eine mögliche Gewinnausschüttung prüfen.

Wie sollte das Geschäftsführergehalt bestimmt werden?

Das Gehalt eines aktiven Partners sollte nicht emotional, sondern unternehmerisch festgelegt werden.

Dafür können folgende Fragen genutzt werden:

Was würde eine externe Führungskraft für diese Rolle verdienen?

Kann das Unternehmen dieses Gehalt tragen?

Behindert dieses Gehalt das Wachstum des Unternehmens?

Ist die Rolle in Vollzeit oder Teilzeit?

Welche Verantwortlichkeiten gehören dazu?

Geht es um Vertrieb, Personal, Betrieb, Strategie, Finanzen oder Kundenbeziehungen?

Wenn das Gehalt zu niedrig ist, wird der aktive Partner benachteiligt. Wenn das Gehalt zu hoch ist, wird der Gewinn des Unternehmens künstlich reduziert und das Vertrauen der anderen Partner kann beschädigt werden.

Deshalb muss das Geschäftsführergehalt sowohl zum Marktwert der Rolle als auch zur finanziellen Tragfähigkeit des Unternehmens passen.

Wann sollte Gewinn ausgeschüttet werden?

Gewinnausschüttung sollte nicht wie ein monatliches Gehalt behandelt werden. Eine Gewinnausschüttung ist nur dann sinnvoll, wenn tatsächlich ausschüttungsfähiger Gewinn vorhanden ist.

Dass Geld auf dem Bankkonto liegt, bedeutet nicht automatisch, dass Gewinn ausgeschüttet werden kann. Das Unternehmen benötigt möglicherweise Geld für Warenbestand, Steuern, Personal, Investitionen, Instandhaltung, Rücklagen oder Wachstum.

Ein gesundes System funktioniert deshalb in Schritten.

Zuerst werden die Betriebskosten bezahlt. Danach werden Gehälter und operative Kosten berücksichtigt. Anschließend werden Rücklagen für Risiken und zukünftiges Wachstum gebildet. Erst danach kann berechnet werden, welcher Teil des Gewinns sicher an die Partner ausgeschüttet werden kann.

So bleibt das Unternehmen gesund und die Gewinnverteilung wird fairer.

Der größte Fehler: Alles als Gewinnausschüttung zu sehen

In manchen Partnerschaften erhält der aktive Partner kein Gehalt. Er arbeitet im Unternehmen mit und bekommt später nur einen Anteil am Gewinn. Am Anfang kann das loyal oder praktisch wirken, langfristig kann es jedoch gefährlich werden.

Die Arbeit des aktiven Partners wird dadurch unsichtbar. Das Unternehmen rechnet nicht mit den echten Kosten der Geschäftsführung. Der weniger aktive Partner sieht möglicherweise nicht, wie viel Arbeit tatsächlich geleistet wird. Der aktive Partner kann sich irgendwann fragen, ob er Angestellter, Eigentümer oder beides zugleich ist, ohne für eine der beiden Rollen korrekt vergütet zu werden.

Andererseits ist es ebenfalls riskant, wenn der aktive Partner unregelmäßig Geld aus dem Unternehmen entnimmt, ohne klare Regeln. Dann weiß niemand mehr, was Gehalt ist, was Vorschuss ist, was Gewinnausschüttung ist und was private Entnahme ist.

Unklarheit ist ein stiller Feind jeder Partnerschaft.

Die Regeln gehören in eine Partnerschaftsvereinbarung

Geschäftsführergehalt und Eigentümereinkommen müssen schriftlich festgelegt werden.

Mündliche Vereinbarungen können am Anfang ausreichend erscheinen. Aber wenn das Unternehmen wächst, die Beträge größer werden, neue Mitarbeiter dazukommen oder sich persönliche Umstände ändern, werden mündliche Absprachen oft zu schwach.

In einer guten Vereinbarung sollten unter anderem folgende Punkte klar geregelt sein:

Welcher Partner arbeitet aktiv im Unternehmen?

Welche Funktion erfüllt dieser Partner?

Welches Gehalt gehört zu dieser Funktion?

Wann wird dieses Gehalt überprüft?

Wie wird der Gewinn berechnet?

Wann ist Gewinn ausschüttungsfähig?

Wie viel Rücklage bleibt im Unternehmen?

Was passiert, wenn ein aktiver Partner weniger arbeitet?

Was passiert, wenn ein Partner mehr Verantwortung übernimmt?

Solche Regeln verhindern, dass jedes finanzielle Gespräch zu einem persönlichen Konflikt wird.

In einer professionellen Partnerschaft spricht das System

Ein großes Risiko in Partnerschaften besteht darin, dass Geldgespräche persönlich genommen werden.

Ein Partner, der Gehalt möchte, kann als jemand gesehen werden, der zu viel verlangt.
Ein Partner, der den Gewinn sorgfältig berechnen will, kann als misstrauisch gelten.
Ein Partner, der sagt, dass er mehr arbeitet, kann als klagend wahrgenommen werden.
Ein Partner, der auf seinen Kapitaleinsatz hinweist, kann so wirken, als würde er Arbeit unterschätzen.

Ein gutes System verhindert das.

Das System sagt:

Arbeit wird separat bewertet.
Eigentum wird separat bewertet.
Risiko wird separat bewertet.
Führungsverantwortung wird separat bewertet.
Gewinnausschüttung wird separat bewertet.

Das macht eine Partnerschaft nicht kälter. Es macht sie stärker.

Warum ist das besonders wichtig für kleine Unternehmen?

In kleinen Unternehmen ist die Arbeit des Eigentümers oft der verborgene Motor des Unternehmens. Der Eigentümer öffnet das Geschäft, hilft Kunden, verfolgt Bestellungen, ruft Lieferanten an, führt Mitarbeiter und löst Probleme.

Deshalb kann das Unternehmen manchmal profitabler erscheinen, als es tatsächlich ist. Ein Teil des Gewinns besteht dann in Wirklichkeit aus unbezahlter Arbeit des Eigentümers.

Das ist auch wichtig für den Unternehmenswert. Ein Unternehmen wird wertvoller, wenn es weniger von einer einzigen Person abhängig ist. Wenn das Unternehmen nur durch die kostenlose Arbeit des aktiven Partners funktioniert, ist sein tatsächlicher Wert schwächer, als er erscheint.

Deshalb ist die Trennung von Geschäftsführergehalt und Eigentümereinkommen nicht nur eine Frage der Fairness. Sie ist auch eine Möglichkeit, den echten Unternehmenswert besser zu verstehen.

Transparenz schützt Vertrauen

Ein gutes System funktioniert nur mit Transparenz.

Der aktive Partner muss klar zeigen, welches Gehalt er erhält und zu welcher Funktion dieses Gehalt gehört. Die anderen Partner müssen verstehen können, welche Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Ergebnisse hinter diesem Gehalt stehen.

Bei einer Gewinnausschüttung muss klar sein, wie der Gewinn berechnet wurde. Einnahmen, Kosten, Rücklagen, Steuern, Investitionen und zukünftige Verpflichtungen müssen sichtbar sein.

Vertrauen in einer Partnerschaft entsteht nicht nur durch gute Absichten. Vertrauen entsteht durch klare Regeln, offene Zahlen, regelmäßige Berichte und vorhersehbares Verhalten.

Ein einfaches Modell für kleine und mittlere Unternehmen

Ein praktisches Modell kann einfach aufgebaut werden.

Zuerst werden die Aufgaben der aktiven Partner beschrieben. Danach wird bestimmt, welchen Marktwert diese Funktionen haben. Anschließend wird ein realistisches Gehalt festgelegt, das zur finanziellen Tragfähigkeit des Unternehmens passt.

Danach wird der tatsächliche Gewinn berechnet. Von diesem Gewinn werden zuerst Steuern, Rücklagen, Lagerbedarf, Investitionen und Wachstumspläne berücksichtigt. Was danach übrig bleibt, ist der mögliche ausschüttungsfähige Gewinn.

Dieser Gewinn wird anschließend gemäß den Beteiligungsverhältnissen oder gemäß den schriftlichen Vereinbarungen zwischen den Partnern verteilt.

So erhält der aktive Partner Gehalt für seine Arbeit. Der Eigentümer erhält Einkommen aus seinem Eigentum. Und das Unternehmen behält genügend Kraft, um weiter zu wachsen.

Fazit

In einer Partnerschaft sollten Geschäftsführergehalt und Eigentümereinkommen klar getrennt werden. Arbeit, Eigentum, Risiko, Verantwortung und Gewinn sind nicht dasselbe.

Ein aktiver Partner sollte eine faire Vergütung für seine Geschäftsführungsarbeit erhalten. Einkommen aus Eigentum sollte danach auf Basis des echten, ausschüttungsfähigen Gewinns verteilt werden.

Wenn diese Trennung fehlt, entstehen Unklarheit, Frustration, Misstrauen und ein Gefühl von Ungerechtigkeit. Wenn diese Trennung vorgenommen wird, wird die Partnerschaft professioneller, fairer und nachhaltiger.

Starke Partnerschaften bestehen nicht nur durch gute Absichten. Sie bestehen durch klare Systeme.

Kontrollfragen für den Leser

Gibt es im Unternehmen einen Partner, der aktiv im Betrieb arbeitet?

Sind die Aufgaben dieses aktiven Partners schriftlich festgelegt?

Ist klar, welches Gehalt zu dieser Funktion gehört?

Ist der Unterschied zwischen Gehalt, Vorschuss, privater Entnahme und Gewinnausschüttung klar?

Wird Gewinn erst ausgeschüttet, nachdem das Unternehmen genügend Rücklagen aufgebaut hat?

Verstehen die weniger aktiven Partner, wie viel Arbeit der aktive Partner leistet?

Verstehen aktive Partner den Unterschied zwischen ihrer Arbeitsrolle und ihrer Eigentümerrolle?

Ist das System für Gehalt und Gewinnausschüttung klar in der Partnerschaftsvereinbarung beschrieben?

Wenn diese Fragen nicht klar beantwortet werden können, sollte das finanzielle System der Partnerschaft neu gestaltet werden.

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